Sieger der Herzen

4. Juli 2022 | Event

Beim Datev Challenge in Roth, der größten Langdistanz-Triathlonveranstaltung der Welt, treten jedes Jahr tausende Triathlet:innen gegen die Uhr und ihren inneren Schweinehund an. Am Ende geht es allen aber erstmal nur um eines: im Ziel ankommen. Alleine das macht die Finisher schon zum Sieger.

Text und Bilder: Oliver Dürrbeck

Während die Top-Sportler:innen ihre Passion oft zum Beruf machen können, ist die Kombination aus 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen für viele andere ein sehr zeitintensives Hobby, wofür neben Beruf und Familie noch irgendwie Platz zum Trainieren gefunden werden muss. So unterschiedlich wie die Voraussetzungen für die Vorbereitung bei den Profis und Amateuren ist, so unterschiedlich schaut auch der zeitliche Ablauf am Veranstaltungstag aus.

Wenn der Marathon zum Kampf wird.

Abkühlung an der Verpflegungsstelle.

Start um 6:30 Uhr

Eines ist aber wohl für alle gleich: wirklich lange schlafen die meisten wahrscheinlich nicht an ihrem großen Tag. Die Profis, weil für die Favorit:innen ab 6:30 Uhr der Startschuss fällt, und die anderen, weil man bei der Aufregung und Nervosität sicher nicht ganz so leicht ein Auge zu machen kann. Viele nutzen die Zeit vor dem eigenen Startschuss gerne noch, um den anderen beim Start zuzuschauen, denn bis die letzten Startgruppen im Wasser sind, ist es schon kurz nach 9 Uhr.

Kampf gegen die Uhr

Während die letzten Staffelstarter:innen erst mit dem Wettkampf beginnen, befinden sich die Top-Triathlet:innen bereits auf der zweiten Radrunde und haben die ersten 90 Kilometer auf dem Rad hinter sich gebracht. Das ist auch langsam der Zeitpunkt, sich die Gegner:innen mal genauer anzuschauen und ein wenig abzuschätzen, wer einen guten Tag erwischt hat und wer nicht. Die Profis versuchen, Duftmarken zu setzen und sich vielleicht schon ein wenig von der Konkurrenz abzusetzen. Während es an der Stelle bei dem Kampf gegen die Uhr um die ersten Plätze geht, blicken die Agegrouper und Staffeln oft mit einem bangenden Auge auf die Uhr. Es gibt nämlich für jede Disziplin ein Zeitlimit. Ist man beispielsweise beim Schwimmen nicht innerhalb von 2 Stunden und 5 Minuten aus dem Wasser, ist der Wettkampf beendet, bevor er so richtig begonnen hat.

Die letzten Staffelstarter:innen müssen also bis spätestens 11:20 Uhr in der ersten Wechselzone ankommen und fünf Minuten später auf dem Fahrrad sitzen. Die Profis sind dagegen schon wieder ein ganzes Stück weiter – zu der gleichen Zeit werden sie nämlich bereits in der zweiten Wechselzone erwartet und tauschen den Radhelm gegen Laufschuhe. Wer es bis zum abschließenden Marathon geschafft hat, hat zwar bereits zwei von drei Disziplinen hinter sich, aber es warten noch über 42 Kilometer zu Fuß – ein ganzer Marathon. Die Bestzeit dafür liegt in Roth bei rund 2 Stunden und 35 Minuten. Läuft es gut, sind die ersten Männer ab kurz nach 14 Uhr im Ziel, die ersten Frauen rund 50 Minuten später. Während im Stadion gejubelt wird, befinden sich viele andere gerade noch am Anfang der zweiten Radrunde.

 

Durchhaltevermögen auch bei den Zuschauern.

Die letzten 35 Kilometer stecken in den Knochen.

Anfeuern bis zum Schluss

Aber auch wenn die ersten Plätze bereits vergeben sind, die Euphorie bei den Fans an der Strecke und der Eifer der 7.500 Helfer:innen bleibt ungebrochen. Egal wer gerade an einem vorbei fährt oder läuft, egal ob man ihn kennt oder nicht, die Namen werden gerufen und die Sportler:innen kräftig angefeuert und versorgt – und das auch noch bis weit in den Abend hinein. Gerade dann wird die Unterstützung auch gebraucht, die Portion Motivation, die einen die letzten Kilometer bis ins Ziel überstehen lässt. Dort sind sie dann schlussendlich alle vereint – die Profis und die Amateure. Bis spät in die Nacht werden den Finishern ihre Medaillen vom Organisationsteam und zahlreichen Profis um den Hals gehängt. Alle jubeln den Sportler:innen zu, die auch nach über 14 Stunden auf der Strecke noch immer gegen ihren inneren Schweinehund kämpfen und alle warten gemeinsam ab, bis beim großen Abschlussfeuerwerk um kurz nach 23 Uhr die letzten Teilnehmer:innen im Stadion ankommen. Das ist zwischenzeitlich wieder rappelvoll – auch jetzt kommen dort nämlich noch Sieger an, die Sieger der Herzen!

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