Des Buben Kleider sprechen königlich

4. November 2019 | Business

Mode wird den Saisons entkoppelt, vom Billighersteller in großer Masse als Wegwerfware produziert. Meine Lederstiefel tragen mich an einen Ort, der den Gegenbeweis antritt – in den Laden, in dem ich sie auch vor Jahren erworben habe.
Text: Tibor Baumann Bilder: Grischa Jäger
Für Mode ausgesuchter Marken, ein Hauch von Nostalgie, traditionelle Fabrikation und gutes Handwerk, neu interpretierte Accessoires und unbeugsame Klassiker: dafür ist bubeundkönig weit über die Stadttore Nürnbergs hinaus bekannt. Kunden aus dem gesamten Umland, manche kommen von Berlin, aus Österreich und Tschechien angereist. Leidenschaft und der Mut zur Selbstverwirklichung gilt hier für den Kunden wie für die Betreiber: Raimar (32), Steve (34) und Sandro (32) empfangen mit einem Lächeln, bieten hervorragenden Kaffee und sofort das Gefühl, hier sein zu dürfen. Noch bevor wir unser Gespräch beginnen, stehen Raimar und ich, ganz ungezwungen, an einer Kleiderstange. Sofort kann mir Steve etwas zum Schnitt des Mantels, der besonderen Verarbeitung und der Unternehmensphilosophie erzählen. Und sprüht selbst vor Begeisterung für das Kleidungsstück. Da ist es, das Besondere, das bubeundkönig ausmacht: „In einem Wort? Spirit.“, sagt Steve.

Hart umkämpfter Markt

Aber abseits des Spirit, gehört viel dazu, sich in einem solch umkämpften und überfluteten Markt wie dem der Bekleidungsindustrie selbstständig zu machen. Der Spirit braucht das Handwerk, das Verständnis davon, wie der Einzelhandel funktioniert, um seine Leidenschaft auch in ein funktionierendes Geschäft zu verwandeln. Und mit diesen Gedanken setzten sich die Gründer Steve und Raimar gemeinsam in ihren Mittagspausen auseinander, als sie noch für große Modehäuser in Nürnberg arbeiteten. In harter Eigenarbeit, mit tatkräftiger Unterstützung ihres Netzwerks aus Freunden und Kontakten können die beiden ihre Gespräche 2013 Wirklichkeit werden lassen. Im bubeundkönig wird, ganz dem Namen nach, nicht nur ein Klientel bedient – und niemand ausgeladen. „Oft wissen die Kunden nicht, was sie suchen. Sie verbringen Zeit bei uns – und heben einen Schatz.“, erklärt Sandro. Die drei selbst zeigen auch, dass sie sich bei „buk“ – wie es bei Liebhabern heißt – nicht von einem Stil binden lassen: Steve im lässig weiten Avocado T-Shirt, Sandro im 30er Jahre Arbeiterstil, Raimar in der heutigen Interpretation der 50er – jeder kann sich hier zusammenstellen, was ihn sich wohl fühlen lässt und es wird sich auch nicht nur an ein Klientel gerichtet.

Das ist ein gefährlicher Drahtseilakt. Aber hier, im bubeundkönig gelingt er, nicht zuletzt wegen des Qualitätsverständnisses der Betreiber. Die Preise werden immer mit der Qualität verknüpft; die Geschichte des Kleidungsstücks sorgt dafür, diesen Preis auch zahlen zu wollen, um lange Freude an dem besonderen Stück zu haben. Vielleicht ist das in Zeiten von Instagram und Co. auch die einzige Art noch den Individualismus der Mode zu erhalten.

Herausforderung Damenwelt angenommen

Und was ist mit den Frauen? „Manche haben dann auch schon mal zu einem Herrenteil gegriffen, das ist heutzutage ja nicht mehr unbedingt das Problem“, sagt Steve. Die meisten waren aber irgendwann von ihren stundenlang im Laden schwadronierenden Männern genervt. 2018 wird das Projekt „Damenausstattung“ mit vollem Einsatz erschlossen. Mit der Erweiterung des Ladens und des Sortiments schaffen die Buben den Durchbruch, sowohl durch die Wand, als auch zu den Damen. Während Steve und Sandro bereits Erfahrung mit der Beratung der Königinnen haben, entsteht für Raimar eine neue Herausforderung: „Für mich war es aufregend, mich weiterzuentwickeln“, verrät Raimar. bubeundköniginnen, der Teil des Ladens der sich unaufgeregt und folgerichtig in das Gesamtkonzept, in den Laden selbst einfügt, zeigt neben dem Spirit, der Leidenschaft der Buben, eine der wichtigsten Eigenschaften in diesem Geschäft: die Lust der Entwicklung, ohne dabei auf jede Idee blind aufzuspringen. Das neue Angebot wird gut angenommen, vielleicht auch ein wenig der Tatsache geschuldet, dass der heimliche Traum des modebewussten Herren erfüllt wird.

Königreich des Besonderen

Am Ende unseres Gesprächs fällt mein Blick auf einen schwarzen Leinenanzug – die Geschichte: angefertigt von HANSEN GARMENT, zuerst speziell für Raimar, dann exklusiv für bubeundkönig limitiert auf zehn Stück. Die Buben sitzen auf einer Bank vor ihrem Königreich. Ich verlasse sie – natürlich mit dem Anzug; er passt hervorragend zu meinen Arbeiterstiefeln. „Sollen wir den Mantel nach Berlin schicken? Ist kein Problem.“, sagt Sandro. Ich verneine – und weiß, dass ich morgen anrufen werde. Sie sollen; denn nichts kleidet einen Buben königlicher, als dieses Gefühl, etwas Besonderes am Laib zu tragen. Wie Walther Rathenau so schön sagte: „Eleganz ist gemeisterte Verschwendung.“

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