Ausgezeichneter Humor

10. Dezember 2019 | Business

In den schmucken Gassen
 unterhalb der Nürnberger Burg
 prangt zwischen Fachwerk und kleinen 
Auslagen eine stilisierte Fotografie:
 Der Mann erhebt das langstielige Glas, trägt Anzug – und einen
 hoch aufgestellten Irokesen. Ein Punk-Poet weist den Weg 
ins Kabarett!
Text: Tibor Baumann
Das mit 99 Plätzen ausgestattete Burgtheater Nürnberg wurde 1979 während des Bardentreffens kurzerhand in einem Hinterhof in der Weißgerbergasse ins Leben gerufen. Aus Spaß wurde ernst – und ein Verein. „Seit 1984 ist der regelmäßige Spielbetrieb in der Füll“ erklärt Ulrike Mendlik. Das Büro in liebevollem Durcheinander ist ihre Wirkstätte und der Motor der Kabarettbühne, und klar ist: die lächelnde Ulrike Mendlik hält hier alles überblickend zusammen, ist das Herz dieses besonderen Ortes.

Dort wo andere nur den Fernseher (oder ihren Laptop) anschalten, müssen hier Künstler und Künstlerinnen gefunden und gebucht, Einlass- und Barpersonal eingeteilt, Verhandlungen geführt, Programme geschrieben und Abrechnungen abgewickelt werden. 1996 suchte der Verein jemanden, der diese Leitung übernehmen könnte. Nach ihrem Studium der Theaterwissenschaft, Amerikanistik und Germanistik in Erlangen, erschien das als ein perfekter, aber kurzer, erster Einstieg in den Kulturbetrieb. Aber Kultur und Lebensläufe sind eben meist schwer planbar: „Ich habe mich schnell in diese Kunstform verliebt, eine Kunstform die sehr frei ist, Abwechslung bietet,“ sagt Ulrike Mendlik und sieht sich in ihrem Reich um; dann fügt sie verschmitzt an: „Mit Humor zu tun zu haben ist sehr anstrengend – und sehr, sehr bereichernd.“

Das Burgtheater ist mittlerweile zu einer festen Institution geworden. Auch durch den seit 1991 von der Stadt Nürnberg gestellten Deutsche Kabarettpreis. Dieses Jahr ist es der berühmte Max Uthoff, der den Hauptpreis erhält, aus dem seltenen Schweizer-Polit-Kabarett Lisa Catena, die den Förderpreis und der Magier Detlef Simon a.k.a. Desimo, der die Grenzen des Kabaretts neu auslotet, der den Sonderpreis erhält.

Der Hauptpreisträger des Deutschen Kabarettpreises: Max Uthoff.
Bild: Dominic Reichenbach
Seine ersten Auftritte waren im Nürnberger Burgtheater: Josef Hader.
Bild: Udo Leitner
Dabei stellt, wie schon der Preis zeigt, das Programm der Bühne einen bunten Blumenstrauß zusammen. „Wir sind in der luxuriösen Situation, uns die Künstlerinnen und Künstler für unser Bühnenprogramm aussuchen zu können. Wir wollen das Kabarett bereichern, neues entdecken.“ So hat Josef Hader einige seiner ersten Auftritte in Deutschland „in der Füll“ auf die Bühne gebracht. Heute tritt er in der Tafelhalle – der großen Kooperationsbühne – mit Begeisterung immer wieder gerne vor vollem, großem Saal auf. Gegenseitige Wertschätzung baut auch gegenseitig auf. Die tiefe Liebe und die Aufopferung der Menschen hinter den Kulissen, verweist auch immer darauf, wie Kulturbetrieb mit einer gewissen Art an Selbstausbeutung zusammenhängt. Die großen Förderungen sind an eigene Ensemblearbeit geknüpft, was nicht zum Konzept passt. Die Stadt Nürnberg und der Bezirk fördern das Burgtheater. Aber das sind nur die Grundlagen, der Rest muss erwirtschaftet werden. Als Verein darf das Burgtheater keine nennenswerten Rücklagen bilden, für die auch die wirtschaftliche Leistung der Bühne nicht ausreicht. Einen Einbruch können solche Kulturbetriebe nicht überleben. Rettende Rücklage sind die Säulen, auf denen die Bühne errichtet wird: Leiterinnen und Leiter wie Ulrike Mendlik einerseits und der erarbeitete Ruf andererseits.

„Das sind natürlich Ausgangsbedingungen, die einen permanenten Drahtseilakt fordern“ sagt Ulrike Mendlik ernst. Auf die Nachfrage, ob sie hier Chancen in der Kulturhauptstadtbewerbung sieht, wiegt Ulrike Mendlik den Kopf. Der Diskurs der dort geführt wird, sei „sehr akademisch; ob er in der Lebensrealität von Betrieben wie diesem oder auch für bildende Künstler positiv wirkt, dass muss sich erst noch zeigen. Was nicht heißt, dass ich den Diskurs nicht gut finde.“

Wir verabschieden uns draußen, der Punk vom Plakat schlürft aus dem Champagnerglas: Andreas Thiel ist einer der Kabarettisten, die sich kompromisslos und geistreich seinen Platz erarbeitet haben. Und nun vorerst seine Bühnenzeit beendet. Januar 2020 kommt er aber noch einmal ins Burgtheater, er liebt diesen Ort. Die kleine Bühne sieht weiterhin guten Zeiten entgegen, nur muss man das eben nehmen, wie gutes Kabarett: mit Selbsthumor und nicht für selbstverständlich.

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