Die Werkstatt der Träume

10. Juni 2020 | People

Die Metropolregion ist – auch entgegen des Rufs der „Arbeiterstadt“ – die Heimat vieler Künstlerinnen und Künstler. Von Design, über Kunsthandwerk bis hin zur Bildenden Kunst, finden sich die unterschiedlichsten Spielarten.

An einem kreativen Prozess zu arbeiten, etwas aus sich heraus herzustellen, erfordert viele Eigenschaften, die als Handwerk gelehrt so individuell sein können wie die Menschen selbst. So individuell der Ansatz der Arbeit sein mag, eines ist allen gleich zu Eigen: 
das Atelier.

Text: Tibor Baumann

Ludwig Hanisch

Das Atelier von Ludwig Hanisch ist ein magischer Ort, irgendwo zwischen den digitalen Weiten bespielbarer Computerwelten und scheinbar alten Monumenten längst vergangener Abenteuer.

Seine figürliche Malerei fasziniert mit einem Gefühl, alte Zeugnisse und traditionsreiche Helden zu betrachten – und verarbeitet dabei moderne Computerspielkultur. Dabei wandeln sich die traditionellen Begriffe der figurativen Kunst. So werden beispielsweise „Figuren“ zu „Avataren“. Seine klare Linie hat er über die Jahre hinweg entwickelt. Nach seiner Ausbildung studiert er an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und schließt als Meisterschüler ab.

Musik zur Malerei

„Aktuell wichtig ist mir neben meiner Kunst auch die Zusammenarbeit mit anderen Kollegen.“ Diese Kollaboration setzt Hanisch im Atelier- und Galerienhaus Defet um. Und zuletzt in der Zusammenarbeit mit seinem Bruder Paul auch im Digitalen fort. „Paul hat jüngst Musik zu meiner Malerei ‚Der Affe bricht dem Elefanten den Rücken’ geschrieben.“

Soundtracks zu Spielewelten

Diese Liebe zum Game setzt der Künstler auch im Bereich der Indie-Games um und komponiert die Soundtracks zu den Spielewelten. Diese Arbeit hat dann aber noch einen anderen, besonderen Raum: „Sound kann ich, wie ein Echo aus vergangenen Tagen, in meinem Studio im Keller des Elternhauses produzieren.“

Ludwig Hanisch im Atelier Querformat
Bild: Karina Knetter

Daniela Colaianni -
Fräulein Tapir

Seit 2013 findet man die Arbeit der Produktdesignerin Daniela Colaianni unter dem Namen ‚Fräulein Tapir‘. „Das Leben an sich inspiriert mich. Ich finde auf Reisen neue Materialien und Verarbeitunsgmöglichkeiten“, erzählt die gebürtige Nürnbergerin, die in Coburg Produktdesign studiert hat.

Designschmiede mit Struktur

Ihr Atelier in Nürnberg Gleißhammer ist ihr Rückzugsort. Handwerk und freies Design treffen sich hier: Klar strukturiert, mit Nähmaschine und Werkzeug ausgestattet, bietet es den Raum für ihr Design im Bereich Schmuck und Accessoires. Die Produkte die sie hier erarbeitet, stellt sie in Handarbeit her, entstammen ihrem Design und sind damit ein kleines Stück Zuhause: „Manchmal ist es auch einfach Pragmatismus – ich brauche eine gute, alltagstaugliche Tasche die mir gefällt, also entwerfe ich mir eine“, erzählt sie.

Schöne Dinge für den Alltag

Dabei sind die Materialien vielfältig, die sie zusammenbringt. Aus Schmuckmetallen wie Messing, Halbedelsteinen, Holzfurnierstoff und Leder, das sie recycelt, erarbeitet sie ihre Produkte. ‚Fräulein Tapir‘ ist damit eine schlichte und schöne Verbindung in unseren Alltag und die Dinge, die wir für den Alltag brauchen. Alles ist handverlesen und handverarbeitet. Ein Stück schöne Welt aus einer kleinen Werkstatt.

Tapir1 Copyright Risch
Bild: Risch

Simone Geissler-
Schmuck & Gerät

In dem bezaubernden Gemäuer des alten Badehauses eines mittelalterlichen Anwesens in der Nürnberger Altstadt befindet sich ein ganz besonderes Atelier. Was vorne den fertigen Schmuck beherbergt, eröffnet sich nach hinten zu jenem Ort, an dem Simone Geissler Einzigartiges aus edlen Metallen und Edelsteinen erschafft.

Die kreative Werkstatt der gebürtigen Oberpfälzerin ist aufgeräumt und sortiert. Geräte, Amboss, Leder, Zangen und Vergrößerungsgläser vereinen sich unterm’ Fachwerk zum Arbeitsort der Goldschmiedin.

Handwerk und Können

Nach der Gold- und Silberschmied-Ausbildung schließt sie ihr Studium an der Akademie der Bildenden Künste als Meisterschülerin ab. Seit 2007 lässt sie ihr Handwerk und Können in ihre Arbeit einfließen: „Um abstrakte Ideen in Schmuck zu verwandeln, muss man sein Wissen einsetzen, um sich die Eigenschaften des Materials zu Nutze zu machen. Handwerk und Kunst sind für mich untrennbar miteinander verbunden.“ Die Werkstatt ist der zentrale Ort an dem sie ihre Gedanken und Ideen von der Skizze bis zum fertigen Schmuck umsetzt.

In der anschließenden Galerie empfängt Sie ihre Kundinnen und Kunden: „Hier präsentiere ich die Werkstücke, sowie ausgewählte Arbeiten anderer Schmuckkünstler.“ Und auch für die besonderen Momente ist ihre Arbeit genau das richtige: „Trauringe, im Austausch mit den Brautpaaren als Einzelanfertigungen entwickelt, bilden einen zusätzlichen Schwerpunkt.“

Geissler Portrait02 © Ludwig Olah
Bild: Ludwig Olah

Julia Frischmann

Unter dem Dach des Atelierhauses in Fürth entstehen wundersame Landschaften. Der Raum ist bunt, Schichten aus Farbe, die sich als Zeugnis der Arbeit von Julia Frischmann auf dem Boden und den Wänden abgelagert haben. Die Künstlerin ist viel herumgekommen. So etwa während ihres Studiums an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, in Budapest zum Austausch oder danach in Residence in Atlanta, USA. Ihre Malerei ist auf gewisse Art zart und überwältigend zugleich. Wie eine Welle, der man sich nicht entziehen kann und doch nur ganz sanft mit ihr schwimmen möchte, um sie ja nicht zu zerstören.

„Mit meiner Malerei erschaffe ich Landschaften. Manchmal zitiere ich Berge und Vulkane, Wasser und Wolken oder auch konkrete Bauwerke. Meistens erschaffe ich abstrakte Landschaften der Seele, in denen Wetter und Naturphänomene das innere Empfinden spiegeln“, erzählt sie. Am liebsten ist sie den ganzen Tag in ihrem Atelier, das nicht nur das Zuhause ihrer Malerei ist, sondern auch der Raum für anderes. Das Atelier ist dann schon mal auch Projekt-Zentrale für Installationen, dient als Showroom oder auch als Büro und Workshopraum. Am wichtigsten ist es aber der Raum, der den Platz für die psychologischen Landschaften gibt: „Ungestört, alles ausgebreitet liegen lassen, aber auch die Möglichkeit haben mich mit den benachbarten Kollegen auszutauschen, das ist mein Atelier: Mein Atelier ist ein geschützter, wandelbarer Raum. Und Besuch ist nach Absprache natürlich auch Willkommen!“

Frischmann 2 © Ingo Froetsch
Bild: Ingo Froetsch

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