Liebe auf den ersten Blick

3. März 2021 | Life

„Schau einem Alpaka nie zu tief in die Augen, du könntest dich verlieben“, besagt ein alter Spruch, der aus der Indianer-Sprache Quechua kommt. Anne Weeger hat sich definitiv nicht darangehalten. Ursprünglich absolvierte die 26-jährige eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Durch einen Bericht im Fernsehen und einen Zeitschriftenartikel wurde sie schon vor zehn Jahren auf die kuscheligen Exoten aufmerksam. So holt sie sich die ersten sechs Alpakas, beginnt ein Landwirtschaftsstudium an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und nun steht sie da: 18 Alpakas, eine eigene Zucht und eine riesige Weidefläche mit eigenem Stall.
Text und Bilder: Magdalena Kick; Daniel Wickel
„Wenn es ums Fressen geht, spucken die Alpakas normalerweise aufeinander“, lacht Anne Weeger und lockt mit einem großen Becher Mineralfutter die Tiere aus dem Stall „und ja, Alpakas spucken“. Diese Frage wird mit am häufigsten gestellt.

Das Alpaka, auch Pako, stammt ursprünglich aus den südamerikanischen Anden, gehört zur Familie der Neuweltkamele, wird 20 bis 25 Jahre alt, vorwiegend wegen seiner Wolle gezüchtet und seit 1995 auch in Europa beheimatet. Anne Weegers Frankenland Alpaka in Gerbersdorf bei Ansbach ist spezialisiert auf den Typ „Huacaya“, dessen Wolle extrem warm, sehr leicht und auch für Allergiker geeignet ist. „Einmal im Jahr, meist April, werden die Alpakas geschoren“, erzählt die Besitzerin. „Die Wolle verkaufe ich weiter, als unbearbeitete Rohwolle und fertig verarbeitet zu Kleidungsstücken oder Decken“. Die Wolle gibt es in 22 verschiedenen Naturfarbtönen und über 60 Schattierungen. Auf dem weltweiten Wollmarkt macht die Alpakawolle nur einen kleinen Anteil aus. Doch die Nachfrage steigt: Sie ist feiner als Kaschmir, leichter als Wolle und wärmt besser.

Genügsame und entspannte Tiere

Neugierig schauen Hector, Monti und Flora während Weeger den drei Tieren das Geschirr für die kleine Wanderung anlegt. Aber nicht nur die drei blicken neugierig, vor dem Stall stehen die restlichen 15 Tiere und gaffen in unsere Richtung. „Alpakas sind neugierig, aber auch wahnsinnig schreckhaft“, schmunzelt sie und übergibt jedem von uns ein Tier. Hector, das Alpha-Tier, geht voraus. Die beiden Jungtiere folgen. Der 18 Monate alte Monti lässt sich bereitwillig streicheln. Flora, gerade einmal ein halbes Jahr jung, ist noch etwas schüchtern. Doch wir kommen nicht weit. Dem saftigen Gras kann Hector nicht widerstehen und kommt nur schleppend voran. „Alpakas sind sehr genügsame und entspannte Tiere“, erklärt die Züchterin. „Das überträgt sich auch auf das eigene Wohlbefinden.“

Anne Weeger mit ihren kuscheligen Exoten Flora, Monti und Hector.

Touren als Ausgleich

Zurzeit fehlen coronabedingt die Ausflüge. „Doch Termine für das kommende Frühjahr können bereits gebucht werden“, erzählt Anne Weeger. Im Schnitt sollte vier Wochen im Voraus angefragt werden, aber einzelne Termine versucht die Besitzerin unkompliziert unterzubringen. Neben einer geführten 90-minütigen Alpaka-Tour bietet sie auch spezielle Wanderungen für Betriebsausflüge, Paare, Junggesellinnenabschiede und die Glühweinsaison an, bei denen man sich auch alleine auf den Weg mit den Alpakas machen kann. „Unsere Wanderungen sind perfekt, um dem hektischen Alltag zu entfliehen“, ergänzt sie.

Zurück im Stall erzählt uns Anne Weeger von der Möglichkeit einer Alpaka-Patenschaft. Verliebt sich ein Besucher auf einer Wanderung in einen kuscheligen Vierbeiner besteht die Möglichkeit sich als Paten eintragen zu lassen. Innerhalb des Patenjahres kann der Pate seinen Schützling zwei Mal im Jahr besuchen. Obendrauf gibt es eine Patenschafts-Urkunde und reichlich Bildmaterial für Zuhause. „Da fällt der Abschied bis zum Wiedersehen nicht ganz so schwer“, lacht sie.
Zum Abschied streichen wir ein letztes Mal durch das weiche Fell von Monti, überlegen kurz ob wir ihn nicht doch heimlich auf der Rückbank unterbekommen und blicken dem Alpaka in die Augen – ein bisschen verliebt haben wir uns schon.

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