Unverpackt: Trend mit Potenzial

26. November 2020 | Business

Früher war es ganz normal, beim Tante Emma Laden um die Ecke Lebensmittel ohne unnötige Verpackung zu kaufen. Heute stellt das eher die Ausnahme dar. Seit einigen Jahren entstehen nun immer mehr Geschäfte, die ausschließlich unverpackte Produkte anbieten. Der verpackungslose Supermarkt liegt klar im Trend. Wir haben uns mit Thomas Linhardt von ZeroHero unterhalten und was ihn bewegt hat, auf den Trend aufzuspringen.

Auch bei Denise und ihren Kollegen von „Freivon – der Unverpacktladen“ gibt es vieles, nur eben keine Verpackungen. Das dreiköpfige Team bringt unverpacktes Einkaufen in die Nürnberger Innenstadt. Bei „Freivon“ gibt es alles, was das Zero-Waste-Herz begehrt.

Was heißt für dich unverpackt?
Thomas Linhardt: Unverpackt heißt viel mehr als nur Produkte ohne Verpackung zu kaufen! Dazu zählen auch umweltschonende, recycelbare und wiederverwendbare Verpackungsmaterialien. Das freut die Umwelt und ist besser für unsere Gesundheit. Unverpackt steht für gute Qualität natürlichen Ursprungs. Es sollte eine Einheit von Mensch, Natur und Tier geben. Eine Biozertifizierung sollte Voraussetzung sein. Unverpackt steht aber auch für faire Vergütung und Arbeitsbedingungen für alle. Egal ob Produzent, Mitarbeiter, Kunde und Händler. Unverpackt steht für Gemeinwohl-Ökonomie. Das heißt unverpackt trägt die Werte der Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung.

Was gibt es alles bei euch?
Thomas: In unseren beiden Filialen haben wir jeweils über 700 Produkte. Es gibt Obst & Gemüse, Eier, Fassbutter, Käse, Milch, Quark, Joghurt – um nur einige zu nennen. Außerdem führen wir ein riesiges Trockensortiment: Flocken, Müslis, Saaten, 10 verschiedene Nusssorten, jede Menge Nudeln – von Weizen bis ohne Getreide – Linsen, Bohnen und jede Menge Getreide und Kaffeebohnen. Zudem findet man bei uns eine große Auswahl an Gewürzen, verschiedene Mehl-Sorten, Tee und vieles mehr. Produkte für Küche und Bad führen wir ebenfalls. In unserer Ecke mit Seifen und Shampoos gibt es eine tolle Auswahl an Naturkosmetik zu entdecken. Hier achten wir auch besonders auf die Inhaltsstoffe: Kein Palmöl oder gesundheitsbedenkliche Zusatzstoffe.

Wie kam die Idee einen Unverpackt-Laden zu eröffnen?
Thomas: Mit guten Lebensmitteln befasse ich mich schon sehr lange und führe seit 2012 einen Onlineshop für Feinkost. Das Ziel war damals noch einen eigenen Feinkostladen zu eröffnen. Mitte 2015 auf Eis gelegt, um mich voll und ganz auf das Projekt „Unverpacktladen“ zu konzentrieren. Aus Feinkost wurde Unverpackt, denn auch hier bieten wir nur beste Ware an, nur eben ohne unnötigen Verpackungsmüll und alles bio, logisch.

Mit wem arbeitet ihr an regionalen Unternehmen zusammen?
Thomas: Unser Obst und Gemüse bekommen wir beispielsweise von Bauern aus der näheren Umgebung. Einer unserer wichtigsten Großhändler hat seinen Sitz direkt in Erlangen. Auch ein Großteil unserer Naturkosmetik kommt aus Franken. Viele unserer insgesamt 80 Lieferanten sind kleine, regionale Manufakturen: Meister Küfner mit seinen feinen Nussecken, oder Röstkaffee aus Zirndorf und frische, vegane Sojaprodukte von Veganel, um nur einige zu nennen.

ZeroHero Unverpacktladen.
Bild: Simon Lausmann
Thomas in seinem ZeroHero Unverpacktladen.
Bild: Simon Lausmann

Was heißt für dich unverpackt?
Denise Fischer: Unverpackt heißt für uns: ohne unnötige Verpackung. Es gibt so viel Verpackung, die wirklich überflüssig ist, wie etwa einzeln verpackte Kaugummis oder Einweg-Kaffeebecher.

Deswegen achten wir als Unverpacktladen darauf, Produkte so nachhaltig und mit so wenig Verpackung wie möglich zu beziehen und diese Ersparnis sowie Tipps und Tricks auch an den Kunden weiterzugeben. Konkret bedeutet das, dass wir unsere Ware immer in Großgebinden wie 25 kg Säcken bekommen. Nehmen wir mal Cornflakes im Supermarkt sind ca. 300 g Cornflakes erst in einer halb leeren Plastiktüte und anschließend noch in einem Papier-Karton verpackt. Wir bekommen die Cornflakes in einem randvollen 25 Kg Plastiksack und der Kunde kann sie anschließend aus unseren Glassilos abfüllen. Am liebsten sind uns Pfandeimer und Gläser, da diese lang im Kreislauf bleiben und so am wenigsten Müll verursachen. Dadurch haben wir eine unglaubliche Müllersparnis von bis zu 100 % im Vergleich zu herkömmlichen Märkten. Und auch der Kunde spart sich Müll, da er mit seinen eigenen Behältern kommt und sich nur so viel abfüllt, wie er tatsächlich benötigt. Damit werden weniger Lebensmittel weggeschmissen und die Mülltonnen sind gleich viel leerer.

Was gibt es alles bei euch?
Denise: Wir sind ein unverpackter Bioladen. Sprich, bei uns gibt es eigentlich alles, was man für den alltäglichen Bedarf braucht. Dazu gehören Basics wie Brot, Nudeln, Mehl, Gewürze, Essig, Öl, Müsli usw. aber auch Frisches wie Milch, Joghurt und Käse (vegan und nicht vegan) sowie Seifen, Shampoos, Reinigungsmittel und was das Zero-Waste-Herz sonst noch begehrt. Viele Kunden sind überrascht, wie groß unsere Auswahl ist, und loben unser Sortiment. Zudem haben wir eine kleine und gemütliche Caféecke im Laden, um entspannt ein Stück Kuchen und einen Cappuccino genießen zu können.

Wie kam die Idee einen Unverpackt-Laden zu eröffnen?
Denise: Wir drei Gründer kommen aus völlig branchenfernen Bereichen und wollten etwas mit Sinn im Leben machen. Da wir alle keine Lust mehr auf die Müllberge nach dem Einkaufen daheim hatten, war die Idee eines eigenen Ladens schnell geboren. Denn wir finden: Unverpackt soll der neue Standard das neue „Normal“ werden. Und mit unserem Laden im Herzen Nürnbergs ermöglichen wir es, dass mehr Menschen unverpackt einkaufen gehen, da wir in ihren Stadtteil kommen.

Mit wem arbeitet ihr an regionalen Unternehmen zusammen?
Denise: Regionalität bedeutet nachhaltiger, durch kürzere Transportwege. Deswegen versuchen wir, wo es geht, mit regionalen Partnern zusammenzuarbeiten: Unser Lebensmittel-Hauptlieferant Bananeira kommt aus Erlangen, leckere Aufstriche und Eingemachtes bekommen wir aus Pyrbaum von der Leichtsinnsküche, Brot von der Demeter-Bäckerei Wehr in Stöckelsberg, Nussecken vom Meister Küfner aus Nürnberg, Kuchen backt das The Green, Mund-Nasen-Schutz-Masken nähen Weare.Yar, beide aus Gostenhof. Käse liefert Käserei Wohlfahrt bei Amberg-Sulzbach, Spezialitäten-Kaffee röstet uns das Kaffeesurium in Fürth und einige Seifen kommen aus Happburg.

Denise, Tobi und Klaus – seit Mitte September in der Nürnberger Altstadt zu finden.

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