Auf dem Platz ist entscheidend

8. April 2022 | Cover

Laute Kommandos erschallen durch die leeren Ränge an diesem Vormittag. Ein dutzend Sportler in weißen und roten Jerseys kämpfen im Training darum, einen orangeschwarzen Ball in einem 45 Zentimeter großen Ring in gut drei Metern Höhe unterzubringen. Fast 4.000 Menschen werden den Athleten in der neu errichteten Arena im Nürnberger Westen einmal zujubeln dürfen. Mit etwas Glück spielen die Basketballer der Nürnberg Falcons ab Herbst in der Bundesliga und zum Glück mit Christopher Dietz als starkem Partner an ihrer Seite.

Text: Daniel Wickel Bilder: Grischa Jäger

Christopher Dietz lacht „Ihr wisst, wie viel mir zu den zwei Metern fehlt“, der es immerhin in seiner Jugend bis in die Landesliga geschafft hat – im Fußball, nicht beim Basketball. Seinem Vater ist es geschuldet, dass er als Bambini Mitte der 80er Jahre beim 1. FC Nürnberg landet und als zentraler Stratege im Mittelfeld die gegnerischen Abwehrreihen schwindelig spielt. „Ich sehe mich heute wesentlich stärker als ich damals wahrscheinlich war“, schmunzelt der zweifache Familienvater über seine fußballerischen Darbietungen, die vor gut 25 Jahren ein jähes Ende finden, als die Liebe zum Job ein Aufhören erfordert. „Während des Zivildienstes haben wir nebenbei Partyreihen veranstaltet, und wenn eine Veranstaltung bis fünf Uhr morgens ging, lag die Chance bei 50 Prozent, dass du das Spiel, mit ansprechender Leistung, gepackt hast, und nur so zum Spaß kicken war mir zu wenig“, erzählt er, und so bleibt lediglich die Liebe zum FCN als Zuschauer auf der Tribüne, statt weiter auf dem Platz zu stehen.

Die Schule des Lebens

Sein Platz ist seitdem die Eventbranche – Musik und Sport, Kultur und Kulinarik, für Privatpersonen und Firmen. „Da alle in meiner Familie studiert haben, bin ich noch dem Studium der Wirtschaftsinformatik nachgegangen. Ab mittwochs wurde dann der Schwerpunkt jedoch nicht auf die Vorlesungen gelegt, sondern mehr auf die Wochenendgestaltung“, erinnert er sich an die vier Semester an der Universität. Doch anstelle der akademischen Laufbahn wurde „werk :b“ als Eventagentur gegründet. „Als wir unsere Firma angemeldet haben, war schon unheimlich viel eingetragen im Handelsregister“, schmunzelt Christopher über die Namenswahl, einer Kreation aus Handwerk und dem berühmten Plan B.

Christopher Dietz über seine Lieblingsstadt.

Auch in Zukunft bleibt er der Ballverteiler auf dem Platz.

Er lernt noch von der Pieke auf, stellt Bauzäune auf, mischt Kleister an und klebt Plakate bei Wind und Wetter, um die Veranstaltungen zu bewerben. „Ich könnte ein Buch über die Expertise des Plakate Kleisterns schreiben“, lacht er und ergänzt: „Zudem ist es wichtig, Praxiserfahrung zu sammeln und durch die Schule des Lebens zu gehen. Wenn du weißt, wieviel Aufwand fünf Kilometer Bauzaun sind, kannst du dies auch deinen Kunden kalkulieren“, versucht Christopher, dies auch weiterhin seinen Auszubildenden einzutrichtern. Für viele Firmen ist bei der Ausrichtung von Feierlichkeiten oder Teamevents die Beauftragung einer Eventagentur eine Kann-Entscheidung. „Es trauen sich doch erstaunlich viele Menschen zu, selbst eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen“, merkt Christopher an. „Aber eine Knie-OP würdest du doch auch nicht machen, weil du zwei Youtube-Videos dazu gesehen hast“, grinst der Geschäftsführer.

Neue Welten entstehen

Zusammen mit seinem heute 20-köpfigen Team entwirft er immer wieder neue Konzepte wie die Nürnberger Winterhütten und neue Festivalreihen, so auch in den letzten zwei Jahren, in denen beileibe keine langfristige Planung möglich gewesen ist. „Die vergangenen 24 Monate waren ein unfassbares Jonglieren ohne zu wissen, ob es zur Umsetzung kommt. Ich hatte sechs, sieben Exit-Strategien an der Wand, wenn alle Stricke reißen. Doch der Spirit, die Lust und mein Team sorgen dafür, dass du nicht aufgibst.“

Magdalena Kick (r.) und Daniel Wickel (l.) im Gespräch mit Christopher Dietz (m.).

Vorfreude auf den PSD Eventsommer am Airport Nürnberg.
Bild: Florian Treiber

Von knapp 20.000 gebuchten Weihnachtsfeiern in den Winterhütten am Airport im vergangenen Winter sind vier von fünf am Ende abgesagt worden, und auch wenn schon früh klar war, dass die großen Festivals am Flughafen in den Sommermonaten kleiner werden würden, sind viele der Partner wieder mit an Bord geblieben. „Wichtig war uns die transparente Kommunikation von Anfang an. Aus der Not heraus sind neue Ideen entstanden wie die Bergbühne, das Garlic Land Festival oder aktuell die Lieblingswelt, die im Herbst starten wird“, erzählt Christopher begeistert von der neuen Festivalreihe, die ab Oktober ein Abtauchen in ferne Welten ermöglichen soll. Mit dem Festival als Star in ebendieser Metropol Arena, wo die Falcons ansonsten auf Korbjagd gehen. Doch zuvor bringt werk :b mit den vier großen Festivals am Flughafen die Lebensfreude zurück.

Und vielleicht steht mit ein bisschen Glück noch ein Weltstar mehr mit auf der Bühne. „Wenn Adele Lust hätte, dass ich ihr persönlicher Tourmanager werde, dann verpasse ich mir selbst ein Sabbatjahr und hole sie nach Nürnberg“, lacht der Mann, der eigentlich immer mit verschiedenen Caps anzutreffen ist „Wenn ich irgendwann mal mit dem Sammeln angefangen hätte, würde ich heute eine Mützensammlung besitzen. Aber nachdem ich zwei Jungs zuhause habe, sind die Caps sowieso ständig weg“. Und so bleibt Christopher auch weiterhin der Ballverteiler auf dem Platz, ein Teamkapitän und Mann hinter den Spitzen mit der Lieblingsstadt Nürnberg in seinem Herzen.

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