Das Zuhause des Morgens

10. Juni 2020 | Cover

Von der Kunst der guten Laune im eigenen Wohnzimmer 
und der Übertragung in die Räume der Region: Eine Begegnung mit Lisa Mai und dem Homeoffice der besonderen Art.

Text: Tibor Baumann Bilder: Grischa Jäger

Ob auf dem Weg zur Arbeit, ob im Auto, im Wohnzimmer, ob als Hintergrundunterhaltung oder mit hoher Konzentration verfolgt – das Radio begleitet uns als ältestes elektronisches Massenmedium seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Und in Nürnberg ist es das Zuhause von Lisa Mai, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen zu einer festen Institution des Morgens geworden ist. „Trotz des 
Weckerklingelns um vier Uhr – Radiomoderatorin ist mein absoluter Traumjob“, strahlt die 
30-jährige.

Lisa Mais Stimme ist vielen, wenn nicht sogar den meisten, in der Metropolregion bekannt. Auch wenn man den Effekt kennt, die eigenen Erwartungen als falsch zu 
erkennen, wenn man jemandem zum ersten Mal begegnet, den man z.B. nur vom Telefon kennt, so ist das mit Lisa Mai ganz anders. Das Lächeln, die lustige, bodenständige Art, all das, was sonst so sympathisch durch den Äther fließt, strahlt sie auch in der Begegnung aus.

Die junge Moderatorin ist als Teil des Teams der „Flo-Kerschner-Show“ von Hit-Radio-N1 fester Bestand der Region. Für die gebürtige Schwabacherin wurde nach der Schulzeit Nürnberg zur Heimat. Der Weg zum Radio war aber ein glücklicher Zufall, sagt sie: „Während meiner Ausbildung zur Steuerfachangestellten habe ich schon festgestellt, dass mir das zu trocken ist und habe meine kreative Ader entdeckt.“ Auf den Rat ihrer Mutter hin, macht Lisa Mai die Ausbildung fertig, holt dann ihr Abitur nach und orientiert sich neu. „Der Sommer nach dem Abitur war ewige Freizeit – aber ich wollte was anpacken, “erinnert sie sich „mach wenigstens ein Praktikum, hab ich mir gedacht.“ Gesagt, getan: Lisa Mai macht bei Charivari im Funkhaus Nürnberg ihr Praktikum und landet schließlich bei Hit-Radio N1 und absolviert hier ihr Volontariat. „Ich habe mich sofort in den Sender, die Marke und die Kollegen verliebt“, erzählt die Moderatorin.

Radio ist eines jener Medien, an denen sich so wunderbar verstehen lässt, wie Technik, Wissenschaft und deren gesellschaftliche Nutzung für Information und Unterhaltung zusammenhängt. Angetrieben von der Industrialisierung, machte die Physik Anfang des 20. Jahrhunderts riesige Fortschritte. Gleichzeitig entwickelten sich durch die Elektrizität und die Forschung an Übertragung und Speicherung, verschiedene, sich beeinflussende Ideen parallel. Von den ersten kleinen Stationen mit einer Reichweite von wenigen Kilometern, über die Experimente im 1. Weltkrieg, führte der Weg des Radios in Deutschland zum 29. Oktober 1923, als die erste Radiosendung, die „Funk-Stunde-Berlin“ on Air ging. In der Arbeit Informationen, Musik und Spiegelung der Stimmungslage unterhaltend zusammenzubringen, findet Lisa Mai ihre ganz besondere Liebe zum Radio: „Wir teilen so viel von uns und das gleiche machen auch die Hörerinnen und Hörer. Die vielen Nachrichten, Anrufe, lustige Geschichten, Ratschläge und Probleme – das Gefühl einfach zusammenzugehören ist wunderbar.“ Seit 2012 entsteht die Flo Kerschner Show, das erfolgreiche Aushängeschild des Hit-Senders. N1 ist einer der sieben Privatsender die im Funkhaus Nürnberg produziert werden, dass seit Mitte der 90er die siebenköpfige 
Radiosenderfamilie beherbergt. Das Hit-Radio ging aber schon 1986 an den Start, musste sich damals aber noch eine Splitfrequenz teilen. Diese Zeiten sind lang vorbei. Für eine solche Sendung ist eine ganze Menge Arbeit nötig. „Flo Kerschner hat während meiner Ausbildung immer zu mir gesagt: „Die Themen liegen auf der Straße, sprich mit deinen Freunden und Kollegen, mit den Menschen, denen du begegnest. Es sind die einfachen Themen, die uns alle bewegen“, erzählt Lisa Mai. Technik, Recherche, Zusammenstellung und oft eben auch noch Absprachen außerhalb der Arbeitszeit sind Alltag für Lisa Mai. Neben ihr und ihren Kollegen am Mikrofon arbeiten im Hintergrund viele Menschen an den Sendungen, Radio ist Teamarbeit. „Wir haben ein tolles Team. Techniker, Redakteure, Praktikanten – alle tragen zu einer gelungenen Sendung und den Themen bei. Es steckt viel mehr Arbeit hinter einer Sendung, als die meisten denken.“ erklärt sie.

Ihr Lebensgefährte und Hündin Amy haben morgens wieder private Ruhe.
Bild: carrie oh photography

Seit einigen Wochen ist Lisa Mai wieder im Studio.

Für Lisa Mai beginnt die Arbeit von Montag bis Freitag um fünf Uhr im Sender, ab sechs Uhr geht es mit guter Laune, Witzen, Hits und den aktuellen Themen an den Start. Nach der Sendung steht die Besprechung der Folgesendung auf dem Plan. „Das ist natürlich ein Job, bei dem du immer die Augen und Ohren offen hast.“ erzählt Lisa Mai lächelnd. Ein Lächeln, dass sie sich trotz dieser Zeiten und der Belastung durch den frühen Alltag bewahrt hat. Und Teil der Show sein muss. Damit sich dieses Lächeln, diese Stimmung bis zu den Zuhörerinnen und Zuhörer überträgt, muss es aber eben nicht nur „Show“, sondern ein Lebensgefühl sein. Das bedeutet auch, das eigene Privatleben einfließen zu lassen. „Ich bin seit kurzem ‚Hundemama‘,“ erzählt sie, „ein Wunsch, den ich schon lange hatte und bei dem ich alle Entscheidungen richtig angehen wollte. Auf diese Reise, bis meine Hündin Amy bei mir gelandet ist, habe ich die Hörerinnen und Hörer mitgenommen. Sie waren Teil davon.“

Es entsteht ein Geben und Nehmen zwischen Hörer*innen und Moderatorin. Private Ereignisse fließen ebenso in die Show ein, wie auch der Austausch zu verschiedenen Themen. Das macht das besondere Flair der Show aus. Die Moderatoren sind Ansprechpartner und Begleiter, aber fragen eben auch ihrerseits um die Meinung und den Rat der treuen Fan-Base. So entsteht ein gemeinsamer Raum, den sich Lisa Mai und ihre Zuhörer*innen teilen. Ein Gefühl der beidseitigen Vertrautheit. Mit den Kontakteinschränkungen traf die Frage nach der Umsetzungsmöglichkeit und dem Aufrechterhalten diesen Raums auch Lisa Mai und das Team der Show. „Der Plan war einen ins Homeoffice zu schicken, um für den Fall der Fälle immer eine Person zu haben, die die Sendung am Laufen halten könnte“ erzählt sie. Ein Konzept musste her, das sowohl die Vorbereitung der Produktion ermöglicht, aber eben auch die Show selbst, die auch von der Interaktion der Moderatoren lebt. „Am Anfang haben wir uns noch abgewechselt – aber ich tue mich ein bisschen leichter mit der Technik“ lacht sie augenzwinkernd. Über eine App zugeschaltet und per Videoschaltung miteinander verbunden, kann Lisa Mai von zu Hause aus moderieren. Für sie wurde nun plötzlich das Wohnzimmer zum Studio. Eine vollkommen neue Situation, die nun sie, ihren Lebensgefährten und ihre Hündin plötzlich noch näher in ihre Arbeit einbezieht.

Damit sind nun die Zuhörer*innen auch ein Stück näher gerückt; während allerorts von sozialer Distanz die Rede ist, entsteht hier eine morgendliche Privatheit, die vielleicht denjenigen, denen der Kontakt am meisten fehlt, ein Stück Berührung zu geben vermag, die wir als Menschen brauchen. Dabei sind es die Details, die den Unterschied ausmachen, im Positiven, wie im Negativen. „Ich vermisse die Kollegen sehr. Die Spontanität ist nicht genauso wie sonst. Das liegt auch an einer kleinen Verzögerung durch die Übertragung.“ erzählt Lisa Mai. Andererseits sind es „so intime Momente, bei denen ich dabei sein darf – und durch das Homeoffice, konnte ich nun auch sie einmal mit zu mir nach Hause nehmen.“ resümiert sie. Man sieht aber auch, dass sich so die Vorteile der modernen Kommunikation zeigen und etwaige Potenziale offenbaren: „Ich glaube es wird sich auch etwas in der Radiolandschaft verändern. Eine schwangere Moderatorin z.B., die keine vier Stunden Sendung mehr im Studio machen kann, kann dann von zu Hause aus arbeiten.“

Ob von zu Hause aus, oder eben wieder im Studio: das morgendliche Lächeln von Lisa Mai begleitet die Menschen in der Region, wenn andere noch versuchen den Weg zur Kaffeetasse zu finden. Und abseits der technischen Potenziale erinnert es daran, wie wunderbar vielschichtig Relevanz ist. Ein Lächeln braucht es immer.

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