Mit Leidenschaft, Mut & Paula zum Zukunftspreis

20. Juli 2022 | People

Der Frankenkonvoi ist ein Fürther Verein, der Menschen in Not hilft. Tom Geisbuesch Ideengeber und Gründer des Frankenkonvois hat die Leidenschaft für die Hilfsarbeit für sich entdeckt und – wie schon so oft in seinem Leben – auf sein Bauchgefühlt gehört. Belohnt wurde seine Arbeit und die des Vereins nun mit dem Zukunftspreis der Stadt Fürth.

Text: Oliver Dürrbeck Bilder: Heckl und Kromer Fotografie

17. September 2015, Tom Geisbuesch ist an seinem – wie er selbst sagt – viel zu teuren Fotografen-Laptop gesessen und sah sich vor die Wahl gestellt: entweder er wirft das Gerät jetzt aus dem Fenster oder er tut etwas. Auslöser waren Bilder die er damals auf Facebook gesehen hat. Der Münchner Filmemacher Andreas Einbeck war an der ungarisch-serbischen Grenze und hat Bilder davon gezeigt, wie Flüchtlinge mit Tränengas und Gummigeschossen attackiert worden sind. „Ich habe zu dem Zeitpunkt bereits die Fürther Flüchtlingsunterkunft mit Spenden und Material unterstützt, aber vor Ort in Krisengebieten war ich noch nicht“, erzählt Tom, der sich daraufhin mit dem Münchner in Verbindung gesetzt hat. „Andreas hat erzählt, dass die Bilder von der Vorwoche waren und er sich für die nächste Fahrt dorthin vorbereitet. Ich wollte wissen, wie man sowas macht, ob ich etwas tun kann. Ich hatte einen Van, bei Andreas in München stand Hilfsmaterial und ich war bereit, jeder Zeit loszufahren. So bin ich dann am nächsten Tag in die Kleinstadt Tovarnik an der kroatisch-serbischen Grenze gefahren“. Der Fahrt an den Balkan sollten bis Ende 2015 noch vier weitere folgen: der Anfang des Frankenkonvois.

Von der One-Man-Show zum Zukunftspreis der Stadt Fürth

Tom nutzt als selbstständiger Fotograf jedes freie Zeitfenster, um Menschen in Not zu helfen. Anfang 2016 reist er in ein Flüchtlingslager in Callais. Einige Wochen später geht es nach Griechenland. In Polykastro sind Geflüchtete gestrandet. „Dort habe ich mit zwei Freunden zusammen ganz klein im Spitzzelt und mit einem Camping-Kocher als Teeküche angefangen. Mit Hilfe des Netzwerks und Leuten vor Ort konnten wir innerhalb von nur einer Woche eine Küche etablieren, in der jeden Tag für 2.000 Personen eine warme Mahlzeit hergestellt wurde. Wir haben die Logistik zu Verfügung gestellt. Gekocht haben die Flüchtlinge selbst, angeleitet von einem syrischen Koch aus Aleppo, der sich selbst im Lager befunden hat“. In der Folge wurde schnell klar, dass Tom das alles nicht mehr nur so nebenher alleine stemmen kann und er gründete mit ein paar Freunden in Fürth den heutigen Frankenkonvoi e.V. „Wir sind zwar aus einer Flüchtlingssituation heraus entstanden, aber mir und uns war es sehr wichtig, dass wir unsere Satzung so formuliert haben, dass wir uns nicht explizit auf Geflohene beziehen. Wir sind ein Verein, der ganz pauschal und generell Menschen in Not hilft. Ich bin halt so ein Typ, der nicht in Unterscheidungen für Länder, Hautfarbe oder Regionen denkt. Ich bin immer schon der Meinung, dass wir alle eins sind und fertig. Deshalb kann es auch der Nachbar in Not sein, der von uns unterstützt wird, was wir auch über die Tafel, die Heilsarmee oder Obdachlosenhäuser tun“, betont Tom. Der Verein ist mittlerweile gewachsen und es sind Strukturen entstanden, womit die zahlreichen Projekte in verschiedenen Ländern auch nachhaltig betrieben werden können. Die tolle Arbeit blieb nicht unbemerkt: im Sommer wurde der Verein mit dem Zukunftspreis und Tom mit einem Ehrenbrief der Stadt Fürth ausgezeichnet. „Der Preis war eine totale Überraschung. Mir persönlich sind Ehrungen und das Rampenlicht nicht wichtig. Aber für den Verein ist eine große Sache, die dabei hilft, weiterhin auf das Netzwerk aufmerksam zu machen, neue Spenden generieren und weiter helfen zu können“.

Tom mit dem Frankenkonvoi in Rumänien.

Ein Lachen, das Kraft für die nächste Tour gibt.

Rheinländer mit dem Herz am richtigen Fleck

Doch wer ist dieser Tom, der jeden freien Moment nutzt, um anderen zu helfen? Der seinen Job hinten anstellt und sich voll und ganz der Hilfsarbeit widmet? Wie eingangs bereits erwähnt ist der heute 60-Jährige von Beruf Fotograf. Das war jedoch auch nicht seine erste berufliche Station. „Ich hatte mit 30 meinen ersten Change im Leben erlebt. Habe das erste Mal erlebt, wie man eine Leidenschaft einfach lebt, ohne sich zu kümmern, ob es funktioniert. Habe mich damals getrennt, hatte einen guten Job gehabt, in einer festen Struktur. Durch die Beziehungskrise runtergezogen, habe mir gesagt, Du kündigst jetzt einfach mal, weil Du eigentlich nie so richtig Bock auf den Beruf hattest. Das war 1992, damals hat mich jeder für verrückt erklärt“. Durch einen Job in einer Kneipe hat er einen Fotografen kennengelernt und ihn ganz naiv gefragt, ob er ihm nicht mal seine Kamera erklären könnte. Das Ergebnis: er hat bei ihm eine Lehre begonnen. 1998 ist er dann in die Selbstständigkeit gewechselt und als Freiberufler für die Quelle im Frankenland gelandet. Als diese dann 4 Jahre später insolvent gegangen ist, galt es wieder Mut zu beweisen: Tom hat eine über 100 Jahre alte Apotheke gemietet, die in der Folge sein Fotostudio wurde. Von Mut spricht Tom nicht gern. „So mutig bin ich gar nicht, ich mache einfach. Ich bin Rheinländer mit Sprechdurchfall und jemand, der nicht nur das Herz auf der Zunge trägt sondern auch ein ziemlich offenes Herz hat, der oft in seinem Leben nach Leidenschaft handelt“. Und genau diese Leidenschaft hat er auch für das Helfen entdeckt. Seinen Job betreibt er nur noch nebenher, um so viel zu verdienen, dass Miete und Lebensunterhalt gesichert sind, alles andere ist ihm unwichtig. Neben den vielen Menschen, denen geholfen werden will, ist da aber noch jemand: Paula. Sie ist seine Erdung, hilft ihm dabei, wieder runter zu kommen. Abstand von dem zu gewinnen, was er in den Krisengebieten erlebt hat. Ihn davon abzuhalten, alles hinzuschmeißen, einen alten Van zu kaufen und auf der Fluchtroute zu leben. „Also das war nur so eine spinnerte Idee, aber ich bin so ein Typ, ich kenne mich gut genug seit 60 Jahren, der macht sowas am Ende noch“.

Paula, ist sein Anker, sie hält ihn in Fürth, den Teilzeitfotografen, Vollzeithelfer und alleinerziehenden Hundepapa.

Paula.

Frankenkonvoi e.V.

Weitere Infos zum Frankenkonvoi sind auf der Website und online auf Facebook und Instagram zu finden. 

Fotografisch begleitet wird Tom von Heckl und Kromer Fotografie.

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