Im Zauber der Zeichen

10. Dezember 2019 | People

Wer mit aufmerksamen Augen durch Nürnberg, die Region, aber auch über diese hinaus, umherstreift, kann sie entdecken: kalligrafische Kunst, Buchstaben von intuitiver Hingabe und handwerklicher Übung. Die Arbeit der jungen und erfolgreichen Künstlerin Hannah Rabenstein lässt Buchstaben zur Zierde und Wörter zu Bildern werden.
Text: Tibor Baumann Bilder: Hannah Rabenstein

Auf einem alten Verstärker steht groß in Blau der Letter E. Der Raum ist hell, ein BMX-Fahrrad hängt an einem Stahlträger; Objekte aus buntem Acrylglas an der Wand. Das Atelier im Nürnberger Norden teilt sie sich mit Graffiti-Künstlern: Spraydosen neben Schneidetisch und Papierschrank – Arbeitsplätze für Kunst und Handwerk.

Voller Begeisterung

Hannah Rabenstein ist erfrischend locker, unaufgeregt, stilsicher und doch dezent gekleidet. Ihr zuzuhören fällt leicht, vor allem, wenn sich ihre Hände im Schwung bewegen. Ihre Augen leuchten, wenn sie von ihrer Leidenschaft, ihrer Arbeit spricht. Diese Arbeit hat sie gut im Griff – im übertragenen, wie im tatsächlichen Sinne. Unterschiedlichste Namen finden sich auf ihrer langen Kundenliste. Von regional bis international, von Unternehmen über Kommune bis hin zum Edelrestaurant: Hannahs (Hand-)Schrift begeistert und ist gerade jetzt, während der großen Digitalisierung umso attraktiver. Vielleicht sogar beruhigend. In jedem Fall aber einen Nerv treffend.

Diesen Nerv zu treffen, das hat Hannah Rabenstein sicher auch ihrer Art zu verdanken. Mit kosmopolitischer Ausstrahlung witzelt sie auf Fränkisch, kann das auch über sich selbst und weiß dabei um den Trend, dessen Welle sie reitet, ohne dabei berechnend zu sein. Hannah Rabenstein scheint die verkopfte Suche nach dem Lebensplan, die so viele unserer jungen Generation wieder einholt, nicht zu tangieren. Sie folgt dem was sich eröffnet, ganz wie der Schwung ihrer Buchstaben. Die gebürtige Bayreutherin verliebte sich schon als kleines Mädchen in das Zeichnen, das Malen. Auch wenn sich die Faszination für Kalligrafie bereits früh an sie wandte, vertiefte sie diese Zuneigung während ihres Designstudiums an der TH Nürnberg (OHM). Immer weiter arbeitete sie sich selbst in das Thema ein. Trotzdem bleibt es bei einer gewissen Leichtigkeit, welche die reine Grafikerin hinter sich lässt und zumindest dazu beigetragen hat, sich nach dem Studium auf den Pfad der Selbstständigkeit zu begeben – Bestärkt von ihrem Vater, es auszuprobieren. Ausprobieren, es tun, darin liegt die Kunst in den Schriftbildern von Hannah Rabenstein. Aber dabei ist sie auch Handwerkerin. Wenn Hannah mit ihrem, natürlich selbst mit Buchstaben verzierten, Mini um die Ecke fährt, mit Stift und Leiter anrückt, um Fassaden, Fensterscheiben und Schilder im wahrsten Wortsinn zu beschreiben, dann spürt man dieses Handwerk. Dazu gehören Disziplin, Übung, positive Routine.

Ihre Arbeit kann sich damit den Wünschen der Kunden anpassen und trotzdem einen ureigenen, erkennbaren Stil als roten Faden immer wieder aufnehmen. So werden aus ihrer Arbeit manchmal schlichte, kurze Botschaften auf Papier, dann wieder schön stilisierte Angebote auf Menütafeln oder einladende Schaufenster. Hannah Rabenstein setzt ihre Arbeit einfach immer weiter fort. Das zeigt sie auch auf ihrem Instagram-Profil. In den Sand geschriebene Grußworte aus dem Urlaub stehen gleichberechtigt neben der Arbeit für das große Unternehmen. Das macht sie aus, diese unkomplizierte Freude, die sich mit der Streetart verbindet, die Herzensangelegenheit, die sich in ihr grafisches Arbeiten ganz natürlich einflechtet – und auch durch ihren Lebensgefährten folgerichtig in Zusammenarbeit fortsetzt.

Die Gestaltung des öffentlichen Raums, wie zum Beispiel die Graffitis an der Theodor-Heuss-Brücke in Nürnberg, ist für Hannah Rabenstein mehr als nur ein Zeitvertreib. Dass hinter solchen Projekten lange Gespräche und runde Tische stehen, bleibt dem Betrachter des Werkes natürlich verborgen. Dass Hannah Rabenstein bezaubernd, aber sicherlich auch bestimmt ihrem Wunsch Ausdruck verleiht, diesem sozial-künstlerischen Engagement nachzukommen, fällt nicht schwer zu glauben.

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