Von Eulen und Lerchen

23. November 2021 | Cover

Laub wirbelt auf, verfärbt vom fehlenden Chlorophyll, der Herbst genießt in vollen Zügen. Mila läuft neugierig auf mich zu, unschlüssig, wer genau da im Nürnberger Stadtpark ihren Namen ruft. Ihre Besitzerin läuft ein paar Schritte dahinter, die Hundeleine in der einen und die Handtasche in der anderen Hand und lacht. So viel sei verraten, es wird den ganzen Abend über sehr viel gelacht. Herzlich, nie aufgesetzt, authentisch, wie wenn sich gute Freunde zum gemeinsamen Essen verabreden und über alte Zeiten lachen müssen.

Text: Daniel Wickel Bilder: Grischa Jäger

Louisa Lou Eicker kommt im malerischen Lüneburg auf die Welt. Gut 75.000 Einwohner hat die zehntgrößte Stadt Niedersachsens und ist für die ersten zwei Lebensjahre zunächst ihr Zuhause, bevor es die Familie ins beschauliche Seligenporten in der Oberpfalz zieht und sie dort aufwächst. Zu ihrem Geburtstag, ein Sonntag, keine Morningshow im Radio, ist Vangelis mit Conquest of Paradise auf Platz 1 in den deutschen Charts. Heute, etwa 25 Jahre später ist sie es, die durch die Charts führt. Seit über einem Jahr weckt sie von 5 bis 10 Uhr morgens halb Nürnberg zusammen mit ihrem geschätzten Kollegen Christof Öhm mit der Sendung „ein neuer morgen“ auf 98.6 Charivari. „In der Morningshow ist der Vibe zu deinem Partner extrem wichtig. Ich sehe mich als Gutelauneboost am Morgen“, erläutert sie ihre Rolle beim Funkhaus.

Zufälle

Ein Zufall wollte es, dass die damals 18-Jährige nach ihrem Abitur und einem dreimonatigen Animationsjob in der Türkei beim Radio landet. „Ich wollte nach meinem Abi was mit Medien machen. Radio habe ich eigentlich nicht auf der Platte gehabt, aber ich habe mir gedacht, das klingt doch ganz nett“, schmunzelt die heute 26 Jahre junge Moderatorin. Sie bewirbt sich um einen Praktikumsplatz und kommt nach dem Einstellungstest völlig aufgelöst wieder nach Hause. „Es waren ganz schlimme Fragen zu aktuellen Themen. Ich wusste nichts, war ja mehrere Monate außer Landes gewesen“, lacht sie bei der Erinnerung an den Moment. Doch sie bekommt die Chance, sich zu beweisen, wird Praktikantin bei Hit Radio N1, erhält ein Volontariat und beginnt ihre Karriere als Moderatorin. „Wenn du Eigeninitiative zeigst, hast du viel Spaß und es macht Lust auf mehr. Radio wird mich wohl noch eine ganze Weile begleiten“, berichtet sie.

Mila lauscht gespannt dem Interview.

Louisa Lou über ihre Anfänge und wo es gerne noch hingehen darf.

Talente

Schon als Kind stellt sich Louisa Lou den ersten Herausforderungen, gewinnt Vorlesewettbewerbe und bekommt mit ihrer Theatergruppe TiK (Täter im Keller) sogar eine Auszeichnung vom Kultusministerium. „Ich war in dem Theaterstück von Erich Kästner damals das Mandelbäumchen und stand ja schließlich schon seit meinem sechsten Jahr auf der Bühne“, schmunzelt sie. Auch heute noch steht sie berufsbedingt immer wieder im Rampenlicht und moderiert unzählige Veranstaltungen wie aktuell die Bergbühne am Nürnberger Flughafen. Nebenbei spricht sie Kinderwerbespots. „Kleine Ponys mit rosa Schleifchen“, lacht sie und singt den Jingle dazu. Ganz aktuell macht sie eine Weiterbildung zur Synchronsprecherin, vage den Traum verfolgend, einer Schauspielerin in Filmen ihre Stimme zu leihen. „Ich finde es wahnsinnig spannend, mit der Stimme zu spielen und als Werkzeug nehmen zu können“, erzählt sie begeistert. Und ganz nebenbei kann sie auch ihrer Leidenschaft zu Mode, Beauty, Interior und Reisen auf ihrem eigenen Instagramkanal erfolgreich nachgehen.

Sonne

Beim Kochen ist sie raus, auch wenn das liebste technische Gadget ein Thermomix ist. „Mein Verlobter Lui kocht bei uns zuhause. Aber ich kann gut bestellen“, scherzt sie. Wenn es nach ihr gehen würde, könnte es stets Pasta geben, und auch in den voranschreitenden Planungen ihrer Hochzeit ist das kulinarische Konzept eher mediterran ausgelegt. „Unsere gemeinsame Vorstellung ist eine Hochzeit auf Mallorca. Ein ganzes Wochenende mit all unseren Freunden bei Tapas, gutem Wein und einer freien Trauung am Strand“, schwärmt sie. Überhaupt könnte das Ausland für beide auch eine Option sein in der Zukunft, am ehesten in sonnigen Gefilden. Bis dahin heißt es aber weiterhin jeden Morgen, früh aufzustehen und gute Laune zu verbreiten. „Eigentlich bin ich eine absolute Nachteule und geh ständig viel zu spät ins Bett. Aber ich schaffe es dennoch, morgens aus dem Bett zu kommen, auch wenn ich mich dann mittags ab und an ablegen muss“, erzählt Louisa mit einem Augenzwinkern. Zwei Vögel schlagen in ihrer Brust, sowohl die Lerche als auch die Eule.

Tierisch

Mitten im Interview ist Mila auf einmal weg. Die sechs Jahre junge französische Bulldogge genießt sichtlich den Geruch aus der Küche des Parks Nürnberg, wo wir zum Gespräch sitzen. „Wenn ich ganz still in der Ecke sitze und mich heimlich in die Küche schleiche, merkt das sicher keiner“, lacht Louisa Lou über ihren ständigen Wegbegleiter, der sich klammheimlich in die Küche begeben hat. „Ich bin schon von klein auf mit Haustieren aufgewachsen. Hunde, Katzen, Hamster, Fische. Wir hatten fast alles“, berichtet sie. Seit einiger Zeit ist Louisa auch Patin von einem Alpaka und besucht regelmäßig das kleine Wollknäuel. „Eigentlich hatte mir meine Oma, als ich noch Kind war, versprochen, dass ich ein Hängebauchschwein und Rennenten bekomme“, erzählt sie schmunzelnd. Nachdem sie sich selbst als Dickkopf bezeichnet, könnte es möglicherweise sein, dass sie demnächst nicht nur mit Mila beim Spazieren anzutreffen ist, sondern auch ein Schwein und eine Ente mit dabei sind.

Träume

Die liebenswürdige Chaotin, wie ihre Freundinnen sie charakterisieren, erzählt rückblickend betrachtet, dass sie nach dem Abitur gern noch ein Jahr auf Reisen gegangen wäre. Eines ihrer Traumländer ist seit einiger Zeit Bali, das sie sowohl kulturell als auch kulinarisch erkundet hat. Kurz vor Beginn der pandemischen Lage im vergangenen Jahr durfte sie noch den Traum ihres Lebenspartners verwirklichen und ihn auf eine Reise nach Lappland entführen. „Luis größter Traum war es, Polarlichter aus einem Iglu heraus zu sehen“, strahlt sie. Seit 10 Jahren sind beide ein Paar, ein Team, blindes Vertrauen und Bedingungslosigkeit. Ihre größte Schwäche? Taschen. Und Pasta. Sie lacht noch einmal, packt ihre Handtasche und läuft mit Mila durch den herbstlich gefärbten Stadtpark.

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